Die Strecke hoch zum Cape Leveque ist sandig. Dementsprechend schwierig zu fahren. Auch hier scheint die eine Bahn (die zurück) viel besser im Stande zu sein. Manchmal erreichen wir eine bedrohliche Schräglage, wenn uns einer entgegen kommt und wir an den Rand ausweichen müssen. Roadtrains (welche hier nicht fahren dürfen) hätten sich bestimmt gestreift. Es geht immer geradeaus. Es ist eine Demonstration im Gange: "Safe the Kimberley". Wir können nicht genau abschätzen für oder gegen was die genau gedacht ist. Nehmen aber an gegen all die Touristen und halten deshalb nicht an um die Stände zu betrachten. Immer wieder sehen wir kleine Sandverwehungen und sind froh sitzen wir im geschlossenen Auto (sogar durch die Klimaanlage hindurch scheinen wir den Sand riechen zu können). Mangroven links und rechts, wohin man schaut (das Meer können wir deshalb nie sehen). Eindrückliche Buschbrände. Bei Beagle Bay, einer Aborigines Community des Nyul Nyul Clans besichtigen wir die Sacred Heart Kirche. Sie ist mit Muscheln und Perlmutt geschmückt und ganz weiss angemalt. Fast ein wenig kitschig, wären da nicht die ernüchternden Ventilatoren an der Decke. Eigentlich muss man einen Permit Fee bezahlen um sich in den Communities umzusehen (damit unterstützt man die Gemeinschaften), da aber das Büro (bzw. der Shop) über Mittag geschlossen ist hinterlassen wir ein paar Münzen für die Kollekte. Auch hier sind die Häuser aus Blech. Arbeiten sehen wir nur "Weisse". Wir essen gleich vor der Kirche im Schatten zu Mittag und beobachten ein wenig das Geschehen. Wir besichtigen "One Arm Point", auch eine Community (des Bardi Jawi Clans). Hier bezahlen wir die üblichen 10AUD/Tag/Person. Ein wenig viel, da wir erst um 3pm ankommen und man um 5pm die Community bereits wieder verlassen haben muss. Die vorgeschriebenen Strassen dürfen nicht verlassen und keine Menschen fotografiert werden. Die Aborigine-Frau im Office ist lustlos (oder ist das einfach ihre Art). Sogar nach einem Stift müssen wir fragen um die Anmeldung (selber) auszufüllen. Wir sind aber fleissig am Literatur lesen, damit wir die Leute hier besser verstehen können. Man findet aber nur spärlich Informationen (die Aborigines kennen keine Schrift und Weisheiten werden eigentlich nur an die Nachfahren weitergegeben). Die 20 AUD haben sich aber trotzdem gelohnt. Wir sehen eine Aufzuchtstation für Meerestiere (leider ist die letzte Führung soeben fertig als wir eintreffen, macht aber nichts) wo wir viel über die Geschichte der Community und ihrer Tier- und Pflanzenwelt erfahren und einige der Tiere sogar vor Ort bewundern können (Barramundi, Schildkröten, etc.). Durch die Zuchstation konnte der Bestand an Trochus-Muscheln (für Schmuck verwendet) gerettet werden, nachdem die Muscheln beinahe ausgestorben waren ("Überfischung" durch Indonesier). Grad nach uns wird geschlossen für heute. Es fahren viele einheimische Fischer heraus in die Ebbe.
Am Abend checken wir für 2 Nächte (länger geht nicht) im Gambanan Camping ein (60AUD), welcher uns die beiden Paare aus SA und WA in Bell Gorge empfohlen hatten. Zwei weitere Paare kommen grad gleichzeitig mit uns dort an und drängeln sich vor. Eventuell sind wir ihnen zu langsam gefahren. Der Campground ist von Aborigines geführt und hat alles was man braucht (WC, kalte Dusche). Unser Platz hat den ultimativen Blick aufs Meer. Traumhaft. Das Meer ist sehr klar und türkis. Unterscheidet sich nur in Nuancen vom Blau des Himmels. Es herrscht noch immer Ebbe. Wir (d.h Omid) versucht das Auto gerade zu stellen. Er wählt zwei Steine hierfür aus. Der eine zerbröselt gleich. Das Auto steht trotzdem mehr oder weniger gerade. Mit etwas Glück kann man zu dieser Zeit hier am Morgen Wale erspähen (Humpback Whales). Das Cape Leveque ist nur einige Minuten entfernt. Wir haben vollen Natelempfang (leider stören aber auch die hohen Antennen die freie Sicht auf die Natur (wenigstens brüten die Vögel darauf)). In der Jahrhunderte alten Fischfalle der Aborigines sehen wir bei Ebbe wunderschöne Muscheln und komisches Getier. Viele suspekte Löcher im Boden und Luftblasen. Korallen in den schönsten Farben, Krabben in allen Grössen und Fische (Kugelfische, "Speerfische" (nach Omid), etc.), von welchen ich zum Teil noch nie gehört, geschweige denn sie gesehen habe (jetzt kann ich sie wenigstens auf Englisch bezeichnen). Kein Vergleich zu den Stränden, die ich bis jetzt gesehen habe, wo sich meist die Touristen auf die letzten Muschelfragmente gestürzt haben (auch ich). Wir können viele der Fischfang-Methoden der Urbevölkerung, welche wir in der Zuchstation kennengelernt hatten wieder entdecken. Alle hier (Aborigines und die wenigen Gäste) weisen uns in die Welt des Fischens ein. Wir werden vor den Steinfischen gewarnt (und kriegen sie auch gleich zu sehen). Sie erzählen, dass sie diese Tage Wale gesichtet haben, sogar Delphine. Ebenfalls wurde uns geraten uns mit viel Moskitoschutzmittel ein zu sprayen, da diese Viecher in den Mangroven-Wäldern sehr zahlreich vorkommen (bei Omid's Konsum erübrigt sich diese Warnung).
Felsformationen sind den Aborigines heilig. Frauen dürfen diese heiligen Stätten nicht anschauen, geschweige denn betreten. Wie entwürdigend muss es nun sein, all die (weiblichen) Touristen den Uluru oder die Kata Tjuta betreten zu sehen. Damals als die ersten Europäer die Strafkolonie im Hafen von Sydney gegründet haben, waren keine Schwerverbrecher an Bord. Anscheinend zieht jeder die Australier mit ihrer Vorgeschichte auf. Wir stellen unser Vordach auf. Unser kleines Zuhause. Man hört nur das Rauschen des Meeres (und das Verdauen des Magens). Die Steine,welche üblicherweise unter Wasser sind, sind sehr rutschig. Dies muss ich schmerzhaft erfahren als ich ausrutsche und mit viel Glück nur auf meinen Hintern und ein Teil meines Fusses falle. Ich hatte noch nie im Leben einen dermassen grossen Bluterguss und höllische Schmerzen am Oberschenkel. Bin aber froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist. Wir kommen mit der Fisch-Begeisterten (das sind hier irgendwie alle) Familie aus Perth von nebenan ins Gespräch und wissen jetzt, weshalb man nicht länger hier bleiben kann (leider). Sie müssen den Camping "säubern" für einen den Umwelt Minister von WA, der hier für zwei Tage übernachten will und keine Menschen ausser sich hier duldet. Wir erfahren auch, dass hier in WA alles im Wechsel ist, da das meiste Land in einer 99ig jährigen Pacht an die Farmer vergeben wurde. Einige dieser Verträge sind bereits abgelaufen und die Ländereien wurden in Nationalparks oder Aboriginal Land umgewandelt (manche aber auch verlängert). Im Jahr 2015 sollen die meisten dieser Verträge auslaufen. Zusammen mit der Familie und einer Aborigine sitzen wir noch lange zusammen und erfahren viel über Land, Leute, Tiere und Geschichte während die Sonne langsam untergeht. Die Nichte der Frau ist am Fischen und Austern suchen. Ihre schwarzen Umrisse sind schön im Abendlicht anzusehen. Wir bewahren Respekt und fotografieren nicht. Ihr Mann tanzt in einer berühmten Aborigine-Tanzgruppe, welche internationale Auftritte hat. Sie freut sich nächstes Jahr das erste Mal dabei zu sein, wenn die Gruppe in Kanada auftritt. Die Tänze widerspiegeln Erlebnisse der Ahnen. Deshalb machen sie immer den gleichen Tanz, welcher bereits von klein auf von allen Clanmitgliedern erlernt wird. Tanz, Kunst, Gesang gibt es bei den Aborigines im Wortschatz nicht, da sämtliche Malereien, Lieder und Tänze Wegbeschreibungen, Erfahrungen oder Anweisungen zu etwas bedeuten/zeigen. Man wird bestraft, wenn man zum Beispiel eine Strophe falsch wiedergibt, da dies fatale Folgen haben kann. Die Frau hat 20 Enkel (ist selber wahrscheinlich um die 60) und irre Stolz auf sie. Sie diskutiert locker mit den beiden Fischexperten mit. Hat zu deren Übel sogar die grösseren Fische an Land gezogen. Gibt Tips über Köder und wo und wie man am Besten Beute macht. Lustigerweise essen Aborigines gewisse Fische nicht, die wir essen und umgekehrt. Die Nichte ist barfuss und nur mit einer Schnur mitten im Meer unterwegs obwohl sie uns immer wieder warnt nur mit gutem Schuhwerk ins Meer zu gehen. Und nur nah am Ufer. Anscheinend werden die gefangenen Fische geteilt unter den Clans. Es hat ja genug. Jeder nimmt sich das, was er gerade braucht. Eventuell hat sich deshalb diese Kultur über Jahrtausende nicht gross weiterentwickelt. Man hat immer alles gehabt was man brauchte. Sie kennen auch keinen Besitz.
Es sind neue Gäste eingetroffen welche laut australische Countrymusik hören. Gar nicht mal so schlecht, wenn auch keine Live-Musik, aber trotzdem ziemlich unpassend an einem solchen Ort. Ein Flying Fox (weiss nicht wieso das bei uns Flughund heisst) hat seinen Schlaf-Platz direkt auf unserem Weg zum WC. Das erste Mal erschrecken wir zu Tode als wir in der Dunkelheit auf's Klo müssen. Ebenfalls gut für Omid's Herz war, als er sich auf das Klo setzten möchte und ihm 2 Frösche aus dem Klo entgegen lachen (es sind die schönen grünen). Er "rettet" sie. Genau um solche Momente zu vermeiden steht überall angeschrieben, dass man die WC-Deckel schliessen soll.
Am nächsten Morgen sind wir später dran als erhofft. Die Sonne ist schon über Sunday Island aufgegangen. Die Aborigine hat bereits bei Ebbe Krabben-Fallen aufgestellt, die sie dann wiederum als Fischköder benutzt. Beim Frühstück fällt mir die Zeltplane, respektive die Stange beinahe auf den Kopf. Wir müssen sie im sandigen Untergrund besser befestigen. Und müssen lernen den Wind richtig einzuschätzen. Wir fahren zum Cape Leveque der eigentlichen (so ist wenigstens in den Reiseführern beschrieben) "Hauptattraktion" auf der Dampier Peninsula. Dementsprechend vollkommen touristisch und man *muss* vorreservieren - irgendwie sind wir ganz froh, dass sie keinen Platz mehr zum campieren frei hatten (es hätte auch Luxusappartments gehabt). Die Küste ist mit der des "One Arm Point" vergleichbar. Wir fahren also zur Cygnet Bay in den Doojoon (Bully's) Camping. Die Küste hat uns der Familienvater gesagt, sei ihm von vielen Seiten empfohlen worden. Der Weg bis zum Camping ist übelste Sandpiste. Oft glauben wir festzustecken. Wäre uns einer entgegengekommen, wir hätten nicht gewusst wie auszuweichen. Die Äste kamen unserem Dach auch bedrohlich nahe und immer näher. Bully ist der typische Aussteiger (viele Tattoos, langer Bart, verfilzte lange Lockenpracht). Zusammen mit seinem Hund Sparky (einem Chihuahua!!!) schaut er mehr schlecht wie recht zum Camping und wohnt zugleich in einer malerischen Hütte direkt am Strand. Wir sollen dann bezahlen wenn wir wieder gehen wollen - er sei immer hier und uns irgendwo niederlassen. Wir sehen schönste Beispiele des Kimberley Steines. Muscheln in allen Formen. Wir laufen ein wenig dem einsamen Strand entlang. Omid hat bereits eine kalte Dusche genommen, als uns Bully voller Stolz erklärte, er hätte nun Holz gehackt für die warme Dusche. In den Toiletten und Duschhäuschen bricht man fast durch den Boden durch, so marode ist alles. Eine Duschkabine musste deswegen sogar schon geschlossen werden - out of order. Überall hat es Oppossum Kacke herumliegen. Am Abend tummeln sich dort die Frösche (im und um das WC) und Geckos. Wir nehmen an, dass der Camping ursprünglich mal von Aborigines unterhalten wurde, die dann aber alles Bully überlassen hatten. Sämtliches Abwasser fliesst direkt in den Boden (dort wachsen ganz hübsche Blumen). Wir sehen Hundeshampoo. Ob Bully das auch für sich benützt. Den Sonnenaufgang verpassen wir (wir schlafen aus). Schliesslich ist heute Sonntag. Die einzigen weiteren Gäste hier im Camping fürchten sich auch vor den sanitären Anlagen. Sie kommen aus Queensland freuen sich aber hier auf das Meer (????). Jeweils zwei Monate im Jahr sind sie unterwegs (früher waren es mehr). Jetzt haben sie Enkel und wollen nicht mehr allzu lange unterwegs sein. Er ist noch berufstätig. Händeschütteln tut man sich in Australien nicht. Der einzige, der das bisher gemacht hat war Craig aus Neuseeland. Es riecht nach Eukalyptus. Bully hat sich ein eigenes kleines Gemüsegärtchen angelegt. Er kämpft mit den Vögeln (die mit der violetten Blume am Hinterkopf). Als wir uns nach einem kleinen Smalltalk von ihm verabschieden, reduziert er den Preis noch auf 10AUD/N.
Zurück in Broome ist ein Cricket Spiel in vollem Gange. Alle sind weiss angezogen. Leute bringen ihren "own chair" mit und schauen zu (soll ja lange gehen so ein Spiel). Das Gefängnis befindet sich im Ort, gleich neben der Bank. Woolworths hat auch am Sonntag geöffnet. Das Visitors Centre ist riesig, hat aber nicht mehr als wir schon haben (eine Broschüre über Broome und Umgebung). Erneut checken wir für 2 Nächte im Roebuck Camping (35AUD/N) direkt am Meer ein, welcher so schön nah an der Werkstatt liegt, bei der wir am Dienstag unseren Trucky in den Service bringen werden. Diesmal haben wir einen gemütlichen Schattenplatz. Neben uns ist Mick (ursprünglich aus Neuseeland), welcher seit 20 Jahren durch Australien reist und immer mal wieder arbeitet (Elektriker) wenn das Geld knapp wird. Seit 10 Jahren hat er keine Probleme einen Job zu finden. Aktuell arbeitet er in Port Hedland, verbringt aber ein verlängertes Wochenende in Broome. Er schlotet was das Zeug hält, dem Bier ist er auch nicht abgeneigt (das sagt auch sein Bauch), von Manieren hat er nicht viel gehört. Einige Zähne fehlen ihm. Seine "Reisebibel" ist von 1999 - 2. Edition, wir haben die 6. Edition. Neben uns auf der anderen Seite regt sich ein älteres Paar auf, dass wir ihnen den guten Platz vor der Nase weggeschnappt haben. Das junge Französische Paar fährt eine Schweizer-Toyota-Kuh. Wir wandern bei Ebbe ein wenig (mit anderen) dem Strand entlang ins Meer hinein (Mick: Ich habe euch ja gesagt hier wird jeder Abend das Meer geklaut). Ganz schön schlammig. Wir kehren um. Ein Auto muss von einem anderen heraus gezogen werden. Wir entdecken die ersten (toten) Quallen. Mick trinkt derweilen massenhaft Bier und pinkelt dann in regelmässigen Abständen hinter sein Auto. Gelegentlich kommt der beissende Uringestank zu uns herüber. Es gibt Leute, die mehr vom Insektenspray brauchen wie Omid. Mick hätte besser zum Deodorant gegriffen. Zum Glück fährt er morgen zurück. Seine Hose ist derweil beinahe bei seinen Knien. Omid rät mir nicht hinzusehen. Schon zu spät.


