Tuesday, October 18, 2011

Alice in Alice

Die Repco-Vertretung hier hat erst in 10 Tagen wieder einen Termin frei und da uns das mit dem Radiator schon etwas am Herzen liegt (und der Mechaniker uns sehr unsympathisch war (vielleicht stehen wir bei denen bereits auf der schwarzen Liste) lassen wir uns eine Adresse eines Mechanikers geben, welcher hoffentlich noch diese Woche Zeit hat. Er hat. Ich hoffe es ist kein schlechtes Omen, dass der Laden Budget Car Repairs heisst. Wir können den Service und den Radiator gleich heute machen lassen(Omen?). Der Wagen wird von religiösen Indern geführt. Das Autokennzeichen ist SINGH. Im Geschäft hängen Bilder mit indischen Persönlichkeiten an der Wand. Der Besitzer hat mit seinem Bruder hier ein gut laufendes Business aufgebaut. Sie haben noch ein Taxiunternehmen und einen Autohandel. Sehr günstige Autos. Seine Neffen arbeiten bei ihm. Kürzlich konnte er seine Eltern hier hin holen. Er ist sehr stolz. Es dauert natürlich wieder einmal mehr viel länger wie angekündigt, weshalb ich beschliesse zum Express-Frisör gleich nebenan zu gehen. Eine völlig neue Erfahrung. Man setzt sich hin mit vielen andern und kommt dann der Reihe nach dran und dementsprechend zu irgendeinem Frisör. Termine werden hier keine vereinbart. Frauen kosten 30AUD, Herren 25AUD. Färben und Tönen lassen kostet extra. Es hat nur Frauenzeitschriften im Laden. Bis sich endlich ein Herr getraut so eine zu lesen, starren alle Herren betroffen auf den Boden. Dann plötzlich nehmen sie sich alle eine. Trotz der langen "Schlange" vor mir, komme ich innerhalb von 15min dran. Föhnen und Pflegeprodukte sind inklusive (habe mich zuerst danach erkundigt). Omid kommt mich mit unserem Troopie abholen. Der Radiator konnte nicht geflickt werden, das sei ein Produktionsfehler. Ein Anruf bei Minschull in Broome und die schicken uns zum angeblichen Hersteller "Motor Motion" bei welchem sie das Teil gekauft hatten. Der glaubt natürlich nicht an einen Produktionsfehler (auch er ist sehr unfreundlich) und erwartet uns morgen früh zur Reparatur. Immerhin versichert er uns, dass uns das Ganze bestimmt nichts kosten würde. So verlängern wir um zwei weitere Nächte auf dem Camping (und es sollte nicht dabei bleiben). Beim Bierkauf im Laden wird Omids ID eingescannt. Er darf nun heute im ganzen NT keinen Alkohol mehr kaufen. Maximal 1L Wein oder harter Alkohol oder Bier unter 2L ist erlaubt. Mittlerweile sind unsere zwei Österreicher auch in Alice Springs eingetroffen. Die Polizei macht hier sehr strenge Kontrollen. Omid schaut zu wie sie einen Aborigine gleich in ihrem Käfig abtransportieren. Und wenn ich Käfig sag, dann mein ich Käfig. Die Polizei fährt hier Land Cruiser Pickups mit einem halbwegs abgedeckten Gitterkäfig und einem Riegel vor der Tür. Sehen im Repco-Shop unsere Sitzbezüge. Es sind natürlich die Billigsten. Kaufen deshalb gleich noch einen Neuen (weil sie so schön sind (Ironie)). Der Fahrersitz ist nämlich schon ganz durchgewetzt. Ganz beliebt sind hier Sitzbezüge im Hawaii Stil. Ein Royal Flying Doctor isst im selben Imbiss (im Red Rooster) zu Mittag.
Die Nacht ist angenehm kühl. Es hat sich gelohnt schnellstmöglich hierhin zu fahren. Es tröpfelt erneut leicht am Morgen. Geben unseren geliebten Wagen ab und machen uns wieder einmal mehr zu Fuss auf, die Stadt zu erkunden (etwas positives haben diese vielen Reparaturen ja, man kriegt viel mehr von der Umgebung mit). Wir besuchen die RFDS Basis in Alice Springs. Sehen dort den Arzt wieder. Durch das, dass wir so früh dran sind, kriegen wir eine Privatführung. Ist schon interessant, was Herr Flynn da auf die Beine gestellt hat. Vor allem wenn man bedenkt, dass für sämtliche Australier der Service kostenlos ist und die ganze Organisation praktisch nur auf Spenden beruht. Heute ist in den Flugzeugen eine moderne Intensivstation eingebaut. Der Pilot ist nicht mehr auch gleich der Arzt. Der Alice Heritage Walk Trail durch die Stadt führt uns zur Todd Mall und zum Adelaide House. Dieses war das erste Spital in Central Australia. Auch heute dauert es etwas länger mit dem Auto. Gegen 5pm wird er uns anrufen. Decken uns mit Literatur über Aborigines und das Leben in den Remote Areas von Australien ein und setzen uns zu einigen Aborigines in den Schatten im Park etwas ausserhalb der Stadt. Sie lausen sich und eine zupft mit Hilfe ihres Mobile Phones (=Spiegel) ihre Barthaare. Sie verrichten ihr Geschäft einfach so an den Boden (etwas versteckt). Wir sehen sie Bierflaschen und anderes hin und her "dealen". In Alice Springs ist der Konsum von Alkohol auf öffentlichen Plätzen verboten. Viele von ihnen tragen Wollmützen. Danach gehen wir (gezwungenermassen) zur Pioneer Women Hall of Fame. Die andere Option wäre das Reptil Centre gewesen - Omid macht unmissverständlich klar, dass er darauf aber gar keine Lust hat. Die Ausstellung im alten Gefängnis ist dann aber gar nicht mal so übel (etwas feministisch angehaucht eventuell ;)). Viel zu früh ruft der Mechaniker an, unser Auto sei bei einem anderen Mechaniker, da es sich heraus gestellt hatte, dass der Radiator gar nicht von ihm war. Und um das raus zu finden haben die einen Tag benötigt? Wir sollen zu ihm kommen er bringt uns dann hin. In der Hall of Fame sagen sie uns wir können ruhig auch morgen oder sonst wann wieder kommen. Beim Hinausgehen streichelt der Besitzer Omid über den Arm… Unsere Füsse und der Rücken schmerzen. Beim Mechaniker angekommen muss der "wahre" Herstellervertreter zugeben, dass das Ding wirklich diverse Mängel hat (Bereits angerissene Schweissnäte). Sie würden uns den Radiator ersetzten, aber die Einbaukosten müssten wir übernehmen. Omid platzt der Kragen. Er ruft seinen "Freund" bei Minschull an. Sie haben uns diesen fehlerhaften Radiator eingebaut, nun ist es das Mindeste (nach all dem was sie sonst noch verbockt haben) dass sie uns wenigstens diese Einbau-Kosten übernehmen. Der arrogante Typ wird plötzlich ganz klein. Er müsse dies mit seinem Chef besprechen, der in den Ferien weilt. Aber er werde ihn anrufen und uns dann morgen früh informieren wie sie sich entschieden haben. Im Secondhand Shop finden wir einen Reiseführer über die CH. Hätten es beinahe aus Interesse gekauft. Wäre sicher noch spannend gewesen, wie ein Australier die CH sieht. Arrangierte Reisen in die CH werden hier ab 4000AUD angeboten (ca. 2 Wochen). Wir schauen derweil die Preise für einen Trip nach Bali an (wir sehen unser Geld schwinden und hoffen auf eine günstige Alternative ;)).
Minschull übernimmt tatsächlich die Kosten. Wer hätte das gedacht. Und so lassen wir uns voller Freude den grösseren, besseren Radiator einbauen (den normalen hatten sie nicht auf Lager).  Während dem Warten gehen wir die nahegelegene School of the Air besichtigen. Sie war die erste ihrer Art in Australien und unterrichtet seitdem konstant um die 200 Kinder in abgelegenen Gebieten. Meist sind es Kinder auf Stations und von Reisenden. Bis jetzt hat sich eine Aboriginal Community der Schule angeschlossen. Hauptproblem hier ist vor allem, dass die primäreUnterrichtssprache Englisch sein muss. Und dass viele Aborigines Eltern keine Schulbildung haben. Die meiste Zeit müssen die Kinder nämlich von ihren Eltern oder einer Nanny betreut werden. Sehen eine Live-Übertragung einer Lektion und können der Lehrerin bei ihrem Unterricht zusehen. Bei all den gaffenden Touristen hier möchte ich keine Lehrerin sein. Der Radiator ist drin. Treffen die beiden Österreicher beim Mechaniker. Sie sind auf der Suche nach einem Spezialisten für ihre Klimaanlage. Die Preise seien hier rund die Hälfte billiger als noch in Broome. Ob sich hierfür das Fahren in der Hitze gelohnt hat? Sie haben bereits jetzt ihr Auto zum Verkauf ausgeschrieben. In rund einem Monat wollen sie zurück in Perth sein. Sie haben keine Lust mehr auf das viele Fahren und Australien. Hier werde einem zuviel vorgeschrieben. Sie haben etwas anderes erwartet. Wollen deshalb am Liebsten noch nach Asien. Bereits hätten sich Interessenten gemeldet. Einer, der das Auto jedoch ohne zu sehen kaufen wollte hat sich als Hochstapler erwiesen. Jetzt sind sie vorsichtiger geworden. Wir sehen den Ghan von Adelaide her in die Stadt einfahren. Besuchen den kleinen aber feinen Night Market an der Todd Street, welcher alle 2 Wochen stattfindet. Viele Aborigines verkaufen ihre Handarbeiten (vor allem Bilder). Sogar Buschmedizin kann man kaufen. Was drinne ist verrät keiner, nur gegen was es wirkt. Aussehen tun aber alle gleich, wie Vaseline. Sonst hat es die üblichen Essens- (wir schlagen beim Asiaten zu) und Krimskramsstände. Nach 30min sind wir durch. Setzten uns auf eine Bank gleich nebenan. Aborigines setzen sich dazu. Sie riechen nach Urin. Ohne Bitte zu sagen, verlangt der eine nach meinem Essen. Wir Essen woanders zu Ende. Im Supermarkt gleich neben dem Camping (dementsprechend sind die Preise) kann man auch Känguruh "Butt" kaufen. Unser Auto macht merkwürdige Geräusche. Wir malen uns schon die übelsten Dinge als Ursache aus, als wir sehen, dass unser (selbstgebastelter) nun verrutschter Abwasserschlauch dazu geführt hatte. Es ist heute auch hier heiss (38 Grad), aber es windet angenehm. Am Abend sitzen wir zu einer Flasche Wein mit den beiden Österreichern zusammen. Dave, ein Neuseeländer, welcher gleich im Zelt daneben lebt, gesellt sich dazu. Er erzählt uns, dass im 2012 die Welt untergehen werde. Uns allen würde was vorgespielt werden. Alle sind wir einer Gehirnwäsche unterzogen worden, dass wir nicht merken, wie wir langsam vernichtet werden. Neuseeland wird bald in einem grossen Vulkanausbruch untergehen. Deshalb sei er hier. Es mache ihm keinen Spass hier zu leben und zu arbeiten, aber er müsse halt. Wegen dem Megavulkan. Etc., etc.. Der Arme. Laut seinem Wortschatz und seiner Ausdrucksweise scheint er sehr gebildet zu sein, er ist auch viel gereist und jetzt lebt er hier in einem kleinen Zelt und versucht den Menschen hier die Augen zu öffnen. Er ist völlig krank.


Melden uns am kommenden Tag fürs WWOOFING an, nachdem gestern das Geschäft einfach so geschlossen hatte - heute geschlossen, bitte morgen wieder kommen. Wir fahren zur Old Telegraph Station. Sehen die Alice "Spring" (es ist übrigens keine Quelle, sondern ein Wasserloch), nachdem die Stadt benannt ist (liegt gleich neben der Station). Die "Quelle" wurde nach der Frau des damaligen Leiters der Poststelle von South Australia, Sir Charles Todd benannt. Sie hat diesen Ort jedoch nie zu Gesicht bekommen. Ich mache einen Luftsprung. Vorher hiess die Stadt Stuart. Es hat hier so schöne violett-blühende Bäume. Sehen den ersten Kaktus in Australien.


Vor dem Motel hat es einen LKW geparkt. Sieh sehr speziell aus. Ein allein reisender Australier (ursprünglich aus Dänemark) gibt uns ein Paar Tips. Er plant nun für längere Zeit in die Tanami Wüste zu reisen. Seine Reiseroute hat er sich anhand von Satellitenbildern zurechtgelegt. Er brät Känguruh-Fleisch in grossen Mengen vor, da er später nur noch seinen kleinen Gaskocher dabei haben wird. Das Fleisch rieche am Anfang ein wenig ungewohnt. Mit ein wenig Marinade sei das Fleisch aber sogar geniessbar. Und gesund für seinen Cholesterinspiegel - und fürs Portemonnaie. Wir schmökern ein wenig im WWOOFING-Booklet. Freuen uns schon jetzt auf unseren ersten Einsatz bei einem Host. Machen fette Kreuze bei interessanten Stations oder Farmen. Bad im Pool. Wallaby Fütterung zum Sonnenuntergang. Der Witz; es handelt sich hier ebenfalls um die anscheinend ja so seltenen Black-Footed Rock Wallabies, welche wir in Exmouth beinahe in einer überteuerten Tour für 26AUD pro Person bestaunt hätten. Wir müssen lachen. Eines hat sogar ein Joey. Sie sind in einem schlechten Zustand. Führen das auf die Fütterung zurück (sie kämpfen untereinander um das Futter). Pünktlich aufs Wochenende will unser lieber Trucky nicht anspringen - der Schlüssel lässt sich nicht mehr drehen. Gehen erneut zum Inder, nachdem wir mit Mühe (und laut Google abermaligen klopfen auf den Schlüsselzylinder) es endlich geschafft hatten den Wagen zum Laufen zu bringen. Der Mechaniker von letztem Mal ist nicht da. Sein unerfahrener Cousin versucht sein Bestes. Nach 4.5h hat er es geschafft einen neuen Zylinder einzubauen und das ganze wieder zusammenzusetzen. Dank dem neuen Zylinder muss das Auto nun mit einem anderen Schlüssel gestartet werden, als für die Türen benötigt wird. Wir sind genervt. Vor allem, da uns der Inder gesagt hatte, dass das Problem nie bei Originalschlüsseln auftritt, er uns jetzt aber wieder einen Zylinder mit nicht Originalschlüssel eingebaut hat. Er verrechnet uns 1.5h. Hat wohl selber gesehen, dass sein werter Neffe keine Ahnung hatte. Erst war Omid noch daneben gesessen. Dann haben wir uns aber aus Rücksicht in die klimatisierten Räume zurückgezogen. Unseren alten Zylinder kriegen wir doch tatsächlich abgesägt wieder. Um 3:30pm verlassen wir den Laden. Das Lenkrad ist viel zu stark angezogen und sehr schräg montiert. Der Blinker geht nicht mehr selbstständig raus. Aus der Scheibenwischanlage kommt kein Wasser mehr raus. Wir kommen am Montag wieder. *ç%¿ Anfänger. Omid liest im Handbuch nach, wie man es hätte richtig machen müssen. Omid nimmt sein erstes Steuerrad selber auseinander. Das Rad ist danach wenigstens wieder in der richtigen Position. Dafür ging die Hupe nicht mehr ;) (Anm. Omid: Beim 2. Mal auseinandernehmen hab ichs dann doch noch hingekriegt…).


Fahren in den Desert Park. Eine der Hauptattraktionen in Alice Springs. Hier haben sie ganz eine andere Ansicht von Tierhaltung. Die Tiere können sich ja verstecken, wenn sie keine Lust mehr auf den Menschen haben. Von allen Seiten hat man Einsicht in die Gehege/Terrarien/Aquarien. Sämtliche Klimazonen von Australien sind hier vorgestellt. Den ganzen Tag über gibt es verschiedenste Führungen. Eine interessanter wie die andere. Survival im Busch. Wie findet man Wasser in der Wüste. Die Waffen und Tools der Aborigines. Familienbildung und Eheschliessung. Eine nervige Besucherin muss immer dreinreden und sagen, was sie schon alles gesehen/erlebt hat. Der Aborigine-Führer hat eine gute Einstellung. Er erzählt nicht zuviel aber auch nicht zu wenig. Da haben sich die 20AUD Eintritt (inkusive Audioguide) wirklich gelohnt.
Vier arrogante Schwedinnen, welche gleich nebenan gecampt, aber nie gegrüsst haben, können ihr Auto nicht mehr starten und kommen nun angekrochen um uns um Hilfe zu bitten. Leider können wir ihnen nicht helfen. Sie haben aber ein Mietauto, weshalb das Problem sich spätestens in einem Ersatzauto gelöst haben wird. Verdoppeln unseren Anlassschlüssel beim Locksmith. Ab zum Inder um uns zu Beschweren. Wir sollen ihnen noch eine Chance geben und um 3pm wiederkommen. Um unseren Kühlschrank auch über mehrere Tage ohne zu fahren und ohne Strom betreiben zu können benötigen wir laut einem Spezialisten Solarzellen mit 60-80 Watt Leistung. Diese Kosten alle um die 1000AUD, was uns definitiv zu viel ist. Ein Thema abgehackt. Der Inder bessert nach, wir werden ihn bestimmt nochmals besuchen.
Fahren (über einen Umweg, da ich dachte ich wüsste es besser) in die East MacDonnell Ranges.