Eine halbe Stunde benötigen sie, um all die Autos in Millimeterabständen in der nur einstöckigen Fähre zu verstauen. Und wir fahren los, nach Australiens Galapagos. Dort wo nie Füchse und Hasen ausgesetzt wurden. 2007 wurde leider der grösste Teil des National Parks in einem Buschfeuer abgebrannt. Wir haben plötzlich Rauch im Fahrzeugdeck der Fähre und müssen umdrehen. Können es fast nicht fassen, dass unser Trucky diesmal nicht der Verursacher allen Übels ist. Ein (anderer) Kühlschrank hat Feuer gefangen. Dies kann aber schnell mit einem Feuerlöscher behoben werden und wir sind mit etwas Verspätung dann doch noch auf der Insel angekommen.
Es ist windig und kühl. Über den Scenic Drive und Red Banks gehts der Küste entlang in die Hauptstadt. Bleiben eine Nacht auf dem Camping in Kingscote. Sehen schwarze Schwäne und Pelikane. Eine Austernzucht. Einsame Strände. Treffen auf dem Camping sehr offene Chinesen welche in Adelaide allesamt Bertriebswirtschaft studieren. Anscheinend sind auf diesem Studiengang 99% Chinesen. Sie sprechen sehr gut Englisch. Beinahe Akzentfrei. Und kennen die Schweiz nach einem Tag (Durch-)reise besser wie wir. Der Camping ist beinahe leer.
Am nächsten Morgen fahren wir mit unserem Trucky an den Emu Beach im Norden der Insel. Herrlich weisser Sandstrand hinter bewachsenen Dünen. Sogar mit 2WD sind Leute problemlos am Strand unterwegs. Probieren unser Strandzelt aus. Das nächste mal werden wir es im Boden verankern. Irgendwie kommt einfach keine Weihnachtsstimmung auf, auch wenn die umliegenden Autos ihr Bestes tun um das zu ändern (Rote Nasen + Rentiergeweihe). Verbringen den Nachmittag im Paradies bevor wir weiter im Gegenuhrzeigersinn den Norden nach schönen Stränden (und weniger schönen Campingplätzen) auf der Suche nach einem Nachtlager abklappern. Schaffarmen. Kühe. North Coast Road. Haben genug Sonne gesehen für heute. Wilde Klippen. Raue See. Sehen unsere ersten Seehunde (weit weg im Wasser) vom "Cliff Walk" aus, im Westen der Insel. Beim Harveys Return Campingplatz übernachten wir in einem wunderschönen, schattigen Wald.
Weihnachten mal anders. Aber weisser als in der CH, mit all den weissen Sandstränden. Heute gehts in den Flinders Chase National Park (leider nicht in unserem Parks Pass inbegriffen). Zahlen 20AUD Parkeintritt (10AUD/P) und 12 AUD/N für die Übernachtung auf den Campingplätzen des Parks. Plätze waren noch zu Genüge vorhanden. Wider allen Erwartungen hat es wenig Leute hier.
Es ist frisch am Morgen. Eine Bulldoggenameise macht ihrem Namen alle Ehre und nimmt es mit meinem kleinen Zeh auf. Den Platypus Walk beenden wir leider, ohne ein Exemplar des süssen Tieres erspäht zu haben - trotz einer riesen Geduld. Vielleicht wäre auch da eine Nachttour besser gewesen. Oder man hätte einfach ohne die CH-Familie mit ihren lauten Kindern dort sein müssen, welche frisch fröhlich ihr Mittagessen verspiesen hat. Auch sonst sind wenig der angepriesenen Tiere unterwegs. Wegen der Hitze? Unsere erste Nacht verbringen wir am Westlichsten Punkt der Insel: West Bay. Der Platz ist irre schräg und überhaupt nicht schattig. Stellen sofort unser Vorzelt auf. Das WC ist 100m entfernt. Aber der beinahe Privatstrand ist wunderschön. Nehmen ein Bad im Wellenmeer. Der Strand besteht aus lauter Muschelstücken in verschiedensten Farben. Die Sonne geht direkt ins Wasser unter. Ein grosses Marsupil frisst unsere Resten und lässt sich dabei nicht stören (auch nicht von Omid mit Taschenlampe). Na dann en Guete und frohe Weihnachten.
Am Morgen ist es bewölkt aber nur für kurze Zeit. Es windet noch immer stark. Heute werden wir auf dem Snake Lagoon Campingplatz übernachten. Gehen vorher noch den Admirals Arch und die Remarkable Rocks anschauen. Die Hauptattraktionen der Insel (nach ihren Tieren). Hier sehen wir dann grosse Seehunde wenige Meter vor unseren Augen. Und eine Schlange. Der düstere Admirals Arch wirkt wunderschön im Kontrast zur blauen See im Hintergrund. Hier hat es viele Touristen, vor allem Inder und Chinesen. Welche die halt nicht Weihnachten zelebrieren. Und nicht auf dem Camping übernachten. Ein "Zimmer" im Luxusresort der Insel gibt es ab 1800AUD pro Nacht! Die übrigen Touristen scheinen erst nach dem Familienfest auf die Insel zu fahren. Machen die Cape du Couedic und die Leuchtturm Wanderung um die Küste ein wenig genauer zu erforschen. Der Remarkable Rock sticht schon von Weitem aus der übrigen Landschaft heraus. Ein eindrücklicher Granitblock mit Xenolithen in speziellen Formen. Lichen in rot lassen das ganze noch prächtiger erscheinen.
Unser Campingplatz am Weihnachtstag ist in Eukalyptusbäume eingebettet, in der Nähe einer ausgetrockneten Lagune gelegen. Einige Touristen hier sehen zum ersten mal Kängurus. Der Walk dem Flüsschen entlang ans Meer ist malerisch. Schiffsüberreste liegen am Stand umher. Stehen spät auf. Unser Nachbar kocht mit Feuer, was zu dieser Jahreszeit absolut verboten ist. Es ist leicht bewölkt. Auf der Koala Wanderung (zu 2.50AUD/P) sehen wir viele Koalas, sogar mit Jungen, beduselt in den Astgabelungen hängen. Sind schon speziell (süss) die Tiere. Die ehemalige Schaffarm wurde umzäunt, sodass nur noch Koalas ein und aus können und nicht deren Feinde. Auch einige andere einheimische Tiere werden hier gepflegt und danach aber wieder ausgesetzt.
Holen uns zwei verschiedene Sandboards (19, resp. 29AUD). Sandboarding in der Little Sahara ist angesagt. Also Boarden im Schnee ist definitiv lustiger. Ich weiss jetzt auch, wieso man immer eine Schutzbrille trägt. Nach dem ersten Mal bremsen hatte ich nämlich alles Sand in meinen Augen. Ok, man sollte halt auch nicht mit den Füssen bremsen. Am Schluss sind wir auf jeden Fall beide von Kopf bis Fuss voller Sand (und erschöpft). Es ist gar nicht so einfach eine hohe Düne hochzulaufen. Die Vivonne Bay soll einer der schönsten Strände Australiens sein. Die Bucht ist ganz nett, haben aber einige schönere, vor allem einsamere Plätze gesehen. Der Camping ist entsprechend voll (hätte nur 5AUD gekostet). Fahren deshalb weiter zur Seal Bay, wo wir beschliessen die Tour zum Strand nicht mitzumachen. Zusammen mit 25 anderen Touristen von 2 Meter Entfernung Seelöwen zu betrachten, das war uns dann doch nicht 30AUD/Pwert. Selbstgeführt hätte man auch an den Strand laufen können (aber nicht an den gleichen Ort) für 15AUD/P. Aber es gäbe keine Garantie, dass man überhaupt einen Seehund zu Gesicht bekommt. Wie doof ist das denn? Zum Glück haben wir schöne Kolonien bereits auf der Insel von relativ nah bestaunen dürfen. Gehen zur gleich nebenan gelegenen Bales Beach wo wir schöne blaue und pinkfarbene Seesterne entdecken. Und Seeigel. Laufen bei Ebbe dem einsamen Strand entlang. Ich liebe es erste Spuren im Sand zu machen. Welche dann wieder unter Wasser verschwinden. Beim Murray Logoon Campingplatz übernachten wir. Wir sind uns nicht sicher, ob nun Conservation Parks auch im National Parks Pass inkludiert sind und bezahlen deshalb mal die 12AUD/N. Später telefonieren wir mit dem Department und erfahren, dass alle staatlichen Parks mit Ausnahme des Flinders Chase NP inbegriffen sind. Kein Mensch da, bis auf den Nachbarn, der mit Feuer gekocht hatte und dies auch hier im tiefen Gras wieder tut. Die Aussicht auf die Lagune (und ihre Vögel) ist wunderschön.
Schlechtes Wetter. Ich leere gekonnt unsere letzten 10L Trinkwasser (man bemerke im Auto) aus, Omid will daraufhin das Auto wenden, damit das Wasser hinten hinaus läuft und überfährt dabei unseren Kochwasserkanister ;-). Müssen deshalb in die nächst grössere Stadt fahren: American River. Wasser und Benzin sind hier im Vergleich zu Vivonne Bay geradezu billig zu haben. 512 Stufen gehts hoch zum Prospect Hill mit Aussicht über die Insel (vor allem die Pelican Lagoon), welche im Jahre 1802 schon Flinders geniessen durfte. Gerne hätte Omid noch einen echt ligurischen Bienenhonig (Auf Kangaroo Island, befinden sich die letzten reinrassigen ligurischen Bienenstämme der Welt) vom Bauern gekauft. So Verkäufe ab Hof scheinen hier aber nicht gängig zu sein. Kaufen später einen Honig in Penneshaw in einem Craft and Gift Shop. An der Brown Beach übernachten wir für 11AUD/N. Es hat sogar eine drei Minuten Dusche (danach hört das Wasser einfach auf und fängt frühestens nach fünf Minuten wieder an). Nach einem gemütlichen Spaziergang dem Strand entlang haben wir plötzlich Nachbarn auf unserem Platz. Ohne zu fragen haben sie sich einfach dort hin gestellt. Mit Hund. Machen Sudoku Battles bis spät in die Nacht.
Es ist erneut kühl und bewölkt am Morgen. Wir stehen spät auf. Seit dem 26. Dezember haben sich die Touristen gehäuft. Sind aber eigentlich nur Australier unterwegs (meist mit Familie, da Ferien). Unser letzter Tag auf der Insel wollen wir an der Antechamber Bay verbringen, welche sich ganz im Osten der Insel befindet und einer der schönsten Strände der Insel sein soll. Gratis. Da der Camping noch nicht richtig aufgesetzt ist. Tafeln sind aber schon montiert. Laufen der Flussmündung entlang zum Meer und dem weichen Sandstrand entlang zurück. Die Sonne scheint. Wir tragen unsere Fleecejacken.
In Victor Harbor (wieder auf dem Festland) wollen wir unseren Trucky zum Service im neuen Jahr anmelden. Hoher Wellengang auf der Fahrt auf der Fähre zurück nach Port Jervis. Uns ist beiden schlecht. Vor einer stürmischen Seefahrt, sollte man nichts essen. Schauen, zur Ablenkung ein (für uns) langweiliges Cricket Spiel. Australien gegen Indien. Alle anderen fiebern mit. Wir müssen uns nun endlich mal die Regeln anschauen.


