Monday, December 12, 2011

WWoofing bei den O'Reilly's in Wirrabara - Unkraut jäten ist Frauensache

Wir helfen Jackie und David auf ihrem Bio-Obstgarten, dem O'Reilly's Orchard, für 2 Wochen aus - gegen Kost und Logis. Die zwei haben den heruntergekommenen Obstgarten (Pfirsich, Aprikosen, Pflaumen, Mirabellen) vor knapp 20 Jahren gekauft (und das mitten in einem Gebiet wo vor allem 2 Familien vorherrschen (und untereinander Heiraten)) und haben das Ziel, einmal pensioniert, Selbstversorger zu sein. Sie sind ihrem Ziel in den letzten Jahren sehr viel näher gekommen (sie haben hierfür noch Kräuter, Walnüsse und diverses Gemüse angepflanzt). David arbeitet zu 100% in Port Pirie in der Metallindustrie (Schichtarbeit) als Supervisor und sie Teilzeit als Motorradfahrlehrerin, Beratung für das Government etc. Jackie ist eine sehr offene, kommunikative Person, währenddem David eher ruhig und zurückhaltend ist. Man versteht ihn fast nicht. Ein richtiger Australier halt. Mit einem bomben Humor und einem gewaltigen Allgemeinwissen (wie sich später herausstellte). Sie meinte hierzu immer, dass es seine Zeit gebraucht hatte um David davon zu überzeugen Wwoofers im Haus zu haben. Deshalb seien sie erst seit einem Jahr Host. Sie bauten hierfür einen neuen Hausteil (aus Holz) mit Gästezimmer und Bad an das alte Haupthaus aus Stein. Man bemerke, dass das WC nicht abzuschliessen ist und man von aussen reinsehen kann. Aber es ist sauber (später wissen wir warum, weil die Wwoofer hier putzen). Zu ihrem Haushalt (die Kinder sind schon längst ausgezogen (sind in unserem Alter)) gehören die drei Hunde (Omid mag sie sogar!!!); Bobby (ein süsser Beagle, welcher erst vor 2 Wochen auf den Hof kam), Jackie (sie hiess schon vorher so, mindestens so gross wie ein Pony und sehr sehr anhänglich) und Lola (sehr anhänglich). Wenigstens sind die letzteren beiden folgsam und das Wort "out" ihnen ein Begriff. Bobby war noch viel zu sehr daran, das Grundstück zu entdecken, als dass wir ihn viel gesehen hätten. Seine Nase war meist wund und wir haben meist schlecht geschlafen (dank seinem Bellen in der Nacht, weil er mal wieder einen Fuchs aufgespürt hatte). Zu sagen bleibt noch, er liebt die bequeme Ledercouch auf der Veranda, die vorgewärmten Betten und die teuren Polsterstühle mit weissem Bezug. Und er kann einem herzallerliebst anschauen. Alles sind Hunde, welche von irgend welchen Missständen gerettet werden mussten. Jackie hat zudem noch Geissen (für Milch und Fleisch), zwei Pferde (zum Reiten), 6 Hühner (vor einer Woche waren es noch 9 (Fuchs du hast das Huhn gestohlen))(für Eier und zweimal im Jahr für Geflügel), eine uralte Gans und tausende Spinnen (alles gute Freunde, welche auf keinen Fall umgebracht werden dürfen (auch nicht, wenn sie 10cm gross und haarig sind)) und abertausende Tausendfüssler (je schlechter das Wetter, desto mehr) und Moskitos (einen Tag lang ist mein rechts Auge zugeschwollen (Anm. Omid: Alice musste wieder kratzen ;-))). Die anderen Insekten (Fliegen, welche in den Wein fliegen, werden einfach mitgetrunken) und die eine Brown Snake die hier lebt, lassen wir jetzt mal weg. Die 19jährige Katze mit Nierenproblemen haben wir nur einmal kurz zu Gesicht bekommen (sie kriegt Katzennahrung (nicht bio) vom Grossverteiler). Alle anderen und auch wir ernähren sich von vorwiegend "bio", wenn möglich von lokalen oder eignen Produkten. Haben nicht gewusst, dass sogar Ketchup "bio" sein kann. Wir trauen uns fast nicht unsere Produkte in ihrem Kühlschrank zu lagern. Sie steht auf Kriegsfuss mit den E-Nummern. Zu trinken gibt es Regenwasser. Nach anfänglicher Skepsis, lupenrein und superlecker. Sie brauchen kein Salz in der Küche. Was ja gesund sein mag… Aber wir hätten Salz (wenigstens auf dem Tisch) sehr begrüsst. Wir assen viele Früchte, Gemüse direkt ab "Garten". Sehr fein und sehr gesund. Ab und zu war noch ein Wurm oder so mit drauf. Auch sehr gesund. Die Küche war sehr saisonal. Jetzt wissen wir was das heisst. Auf den Tisch kommt, was grad reif ist. Bei uns waren das die Faberbohnen und die Kefen. Überall waren die mit drin. Es bleibt zu sagen, dass sich unsere Mägen nach 3 Tagen daran gewöhnt hatten. War trotzdem immer wieder lustig zu raten, was es wohl zum Abendessen gibt. Nach uns wäre die Zucchini Saison gekommen. Omid war froh, vorher die Farm verlassen zu haben. Jackie hatte sich zu Beginn erkundigt, was wir nicht mögen. Wir müssen nun nicht mehr ins Barossa Valley gehen zur Wein Degustation, denn die beiden waren sehr grosszügig mit allerlei alkoholischen Getränken (vielleicht auch weil sie es selber so schätzten). Nicht einen Abend verging ohne eine neue Flasche Wein. Meist aus dem McLaren Vale. Südlich von Adelaide gelegen und bekannt für seinen Shiraz. Ganz nach unserem Geschmack. David hatte zudem noch den gleichen Lieblingsbierlieferanten wie Omid. Perfekt. Die Abende waren dementsprechend lustig. Das Essen gab es zu sehr unterschiedlichen Zeiten. Mal um 12, mal um 3pm. Mal um 6pm mal um 10pm. Je nach dem, wann die beiden Hunger hatten. Wir müssen jedoch zugeben, dass wir es trotz der vielen Arbeit nie geschafft hatten Hunger zu kriegen, da die Mahlzeiten sehr ausgewogen und reichlich serviert wurden. Karen eine "mitwwooferin" meinte, ihr Magen sei nach diesen zwei Wochen hier so völlig ausgedehnt, dass sie noch einmal bei der Nachspeise nachschöpfen müsse. Und es gab immer etwas zur Vor- oder Nachspeise. Sehr nervig war, dass nirgends im Haus ein Abfalleimer bereit stand. Alles musste gleich in einem kellerähnlichen Nebenraum des Hauses penibelst sortiert werden. Zweimal im Monat fahren sie zur Entsorgung nach Laura.


Während der ersten Woche schlafen wir noch im Auto auf der Wiese vor dem Sortier- und Packschuppen, währenddem Karen, unsere 35jährige australische Mitwwooferin (Umweltwissenschaftlerin; Managerin mit nahezu-Burn-out) das Zimmer hat. In der zweiten Woche dann haben wir die grosse Ehre auf einem richtigen Bett zu schlafen. Während der zweiten Woche sind Dimitri und Denis (gleichaltrig) aus Belgien (Architekt und Communications-Manager) am Mithelfen. Sie schlafen in ihrem Auto.
Unsere Hauptaufgabe besteht darin alles für die anstehende Saison, welche im Dezember startet, bereit zu machen (zu putzen, zu jäten und ordentlich herzurichten für die Kunden). Die Aprikosen werden langsam reif. In den nächsten Wochen werden Tonnen gepflückt werden müssen. Dies hätten wir aber ehrlich gesagt lieber gemacht als Unkraut jäten bis zum Abwinken (Omids Meinung; wir haben es wahrscheinlich einfach zu gut gemacht), Apfel und Birnen "Thinning", Pflaumen pfücken, Bäume "einnetzen", Konfitüre machen, Gemüse, Früchte und Salate setzen, Stroh verteilen, Rasen mähen (mit schnuckligem Mäher (Omid)), Knoblauch ernten und trocknen, Baumstämme einsammeln (mit Quad (Omid)), Aprikosen trocknen (mit Solartrockner natürlich!!!), Frühlingsputz im Schuppen, Holzteil des Hauses einölen, Bewässerungsanlage verlegen (mens business), zum Markt gehen, Früchte nach Qualität sortieren etc.. Eine mehr oder weniger nette Abwechslung war da das zweite Standbein der beiden: die "from paddock to plate" Essen auf der gemütlichen Veranda. Man kommt vorbei, geniesst eine gemütliche Runde auf der Veranda. Wird dabei bedient und bekocht von einer richtigen Farmersfrau und geniesst nur absolut frische Ware direkt ab Hof. Wenn man möchte, kann man bei einem Rundgang durch den Obstgarten noch selber Früchte/Gemüse pflücken und mit nach Hause nehmen, oder einfach zum Schluss noch Produkte bestellen und mitnehmen. In der ersten Woche haben wir geholfen die beiden Gäste (Tourguides aus Brokenhill) zu unterhalten (auch noch ein wenig putzen, dekorieren, kochen und abwaschen natürlich). In der zweiten Woche kamen dann "Sieben Schwägerinnen" (zwei Schwestern, fünf Frauen der Brüder) vorbei, welche dann (Jackies Meinung nach Männer völlig satt haben und deshalb) nur von den beiden Frauen betreut wurden, währenddem die Herren der Schöpfung sich leise im Wohnzimmer aufzuhalten hatten. Später stellte sich dann heraus, dass die Damen sehr interessiert an unseren Reiseberichten gewesen wären. Sie haben Weihnachten zusammen gefeiert, weil mit den Männern und vor allem den Kindern einfach alles zu gross wäre. Es waren ursprünglich 8 Schwestern und 8 Brüder, von welchen alle die noch leben in Port Augusta leben. Kinder haben sie zusammen 52. Die Enkel können sie mittlerweile nicht mehr zählen. Auch viele der Enkel leben in Port Augusta.
Die Krönung der zwei Wochen war dann der Besuch einer Journalistin (garantiert am Anfang ihrer Karriere), welche uns zum Thema Wwoofing für den Radiosender ABC Adelaide interviewt hatte. Dies mit dem iPhone, da das ursprünglich geplante Gerät nicht funktioniert hatte. Später hat sie sich mit Jackie dann noch flüsternd darüber unterhalten, wie unnatürlich wir uns doch beim Fotoshooting verhalten hätten. Was sehr verwunderlich ist, da sie unsere Positionen selbst bestimmt hatte. Ein wenig mehr nach rechts in die Sonne bitte… und jetzt zurück schauen… aber bitte weiterlaufen. Sind schon jetzt auf den Bericht und unseren Auftritt auf der Website gespannt.
Jackie wusste, wie sie uns richtig einsetzen konnte. Die Arbeit war getan, wenn sie getan war und nicht nach soundsovielen Stunden. Und die Aufgaben wurden streng getrennt nach Frauen- und Männerarbeiten. Mit den Belgiern (erfahrenen Wwoofern) hat sich das ganze dann ein wenig entspannt. Sie haben aber auch immer wieder frech auf die Uhr geschaut. Wir hatten darauf meist den ganzen Nachmittag (nach dem Mittagessen (Abwasch) frei und konnten (wenn wir nicht zu müde waren) noch ein wenig die Umgebung unsicher machen. Einmal waren wir in Wirrabara und Laura (Heimat der Golden North Ice Cream) mit kurzer Fahrt zum Lookout und zweimal wandern in der Old Nursery im Wirrabara Forest selbstverständlich (einmal hätten wir uns dabei fast verirrt). Einen Sonntag hatten wir sogar den ganzen Tag frei (evtl, weil sie zum Markt musste).


Habe ich schon erwähnt, dass nach dem Jäten der Abwasch die zweitbeliebteste Arbeit war. Jackie weiss genau, was sie nicht gerne macht. Das wird dann an die Wwoofer delegiert. Würde ich ja genauso machen an ihrer Stelle. Nur so nebenbei, sie braucht mit Vorliebe alle ihre Küchengeräte für ein Menü. Es hat folglich immer was zum Abwaschen (und keine Abwaschmaschine!!!). Wir hätten gerne was für eine Maschine gespendet, aber sie wollte nicht. Und David hält sich schön raus. Ist sie mal an Meetings gibt er Anweisungen, die so gar nicht den Ihren entsprechen ;-)
Sie fährt gerne auf ihrem ATV über das Grundstück. Wir müssen laufen (Omid durfte manchmal mitfahren). Sie hat ihn geliebt. Zum Glück ist das Grundstück nicht allzu gross (dafür am Hang gelegen).
Das Wetter war meist ok. Einige Tage lang hat es geregnet und es war fürchterlich kalt. Wir haben heimlich in der Nacht den Fön laufen lassen und unsere Thermo-Unterwäsche inklusive Wollmütze getragen. Besser jedoch als zu heiss. Habe mir meinen ersten Sonnenbrand geholt und konnte darauf nur noch langärmlige Hemden tragen. Nach den ersten Tagen haben sich unsere Knie und Omids Rücken bemerkbar gemacht. Vor lauter knien (Jäten!!!). Waren froh, waren die Pflaumen endlich reif um gepflückt zu werden (vor allem aber vor den Vögeln zu retten). Die Vögel zeigen an, wann welche Früchte reif sind. Dann müssen die Bäume dringendst "eingenetzt" oder geerntet werden. Nur auf die Farben kann man nicht gehen, da jede Sorte eine andere Farbe der Reife trägt (vor allem bei den Aprikosen). Da muss beim Pflücken pro Baum mindestens eine Frucht  probiert werden um zu wissen, welche Früchte nun wirklich reif sind. Auch dies nicht gerade ideal für den Magen (hat uns Denis gestanden).
Tagwach ist je nach Aufgaben zwischen 6 und 7 Uhr. Wir müssen natürlich immer den Wecker stellen. Einmal dürfen wir offiziell ausschlafen da es regnet, aber da wir nicht wissen was ausschlafen hier heisst stellen wir trotzdem unseren Wecker. Zum Glück, denn um 7.30am waren schon alle auf. Immerhin fängt hier in der Umgebung der "Farmers Market" zu humanen Zeiten an. Wir waren auf dem Markt in Gladstone, und der hatte gerade einmal fünf Stände. Hätte nicht per Zufall eine Gruppe vorbeigeschaut, welche auf dem Weg nach Laura in die Ice Cream Factory war, hätten die Farmer nur untereinander Geschäfte gemacht (so wie das wohl oft der Fall ist). Die nicht verkauften Trockenfrüchte gingen an das Visitors Centre des Ortes, welches auch lokale Produkte verkauft. Danke noch mal an den netten Rumänen für das leckere Erdbeereis - für uns umsonst, weil wir die einzigen Touristen waren. Bei der Auslieferung der Frucht/Gemüseboxen treffen wir einen Schweizer der seit den 70er Jahren hier lebt.


Unser Österreichischer Freund, welchen wir zuletzt in Alice Springs getroffen hatten, kommt auf seiner Durchfahrt nach Sydney (wo er das Auto verkaufen will) noch zum Abendessen vorbei. In Perth hatte ihm keiner einen anständigen Preis bezahlen wollen.
Da unser Auto nicht anspringt, und das Überbrücken mit dem Traktor auch nicht funktioniert, kommt David zum Schluss, dass es nur am Startermotor liegen kann… Unser Gedanke - ç%*&, wir brauchen einen neuen Startermotor! David sieht das anders: Der Startermotor muss raus, und dann gründlich untersucht werden. Gesagt getan, David gibt Anweisungen wie dies zu tun ist: Ölfilter muss ebenfalls raus. Als der Motor komplett zerlegt ist, werden die elektrischen Kontakte mit der Feile und Schleifpapier bearbeitet und alles wieder zusammengesetzt und eingebaut. Jetzt klappt es mit Überbrücken, aber wir brauchen trotzdem eine neue Starter-Batterie.
David sorgt dann noch für etwas Action als er beim Schleifen in der Werkstatt ein Buschfeuer entfacht und unser Auto (ist dank der nicht funktionierenden Batterie nicht angesprungen) fast abgebrannt wäre. Habe Omid noch nie in so einer Panik gesehen. David hat dann ganz langsam seinen Traktor geholt, und uns aus der Gefahrenzone gezogen. Konnten dann aber alle zusammen das Feuer in Schach halten bis die Feuerwehr von den umliegenden Orten kam. Alleine hätten sie das wohl kaum geschafft. Zum Glück hat es nicht sonderlich gewindet. David muss hierfür 375AUD zahlen (Selbstverschulden) und ist in der lokalen Presse erwähnt (für die, die es noch nicht durch Mund zu Mund erfahren hatten). Kaufen noch eine neue Starterbatterie, da die Alte den Kurzschluss beim Wilpena Pound nicht überlebt zu haben scheint. Den örtlichen Automechaniker erkennen wir wieder - er war einer der Feuerwehrmänner.


Wir haben gewünscht, dass uns die beiden in unserem Englisch korrigieren, da wir ja vor allem hier sind um Englisch zu lernen (neben Land und Leute kennen zu lernen). Das haben sie dann auch gut gemacht. Haben viel profitieren können. Auch von Karen. Einige Australische Ausdrücke (nicht nur Gemüse) zählen wir nun neu zu unserem Wortschatz. Manchmal haben wir die Witze und Ausdrücke aber auch nach Erklärung nicht verstanden.
Es hat sehr viel Spass gemacht und wir haben extrem viel Lernen können. Wir werden sicher bald zu unserem nächsten Wwoof-Abenteuer starten. Jetzt sind wir aber erstmal froh wieder alleine unseren Tag (und unser Essen) bestimmen und wieder ausschlafen zu können. Haben aber noch eine 10Kilo Gemüse/Früchtebox sowie Aprikosenkonfitüre mit auf den Weg genommen um nicht zu sehr an Entzugserscheinungen leiden zu müssen (ja und auch Kefen waren dabei).